Schritt 4

Ich bin nach Gerra gegangen

Ich bin nach Gerra gegangen. Ich wollte eine helle Kuh kaufen.

Da war eine Alte, die kochte Polenta.

Sie gab mir die Schöpfkelle zum Lecken. Ich habe die Kelle ins Feuer geworfen.

Die Alte wurde wütend, ich lief weg.

Ich sprang in einen Graben, sie sprang auf mich und stahl mir meine rote Mütze.

Ich sagte zu ihr: «Gib mir die Mütze zurück!». «Nicht, bevor du mir das Brot bringst».

Ich ging zum Ofen, um mir das Brot geben zu lassen. «Nicht, bevor du mir das Korn bringst».

Ich ging zum Feld, um mir das Korn geben zu lassen: «Nicht, bevor du mir den Mist bringst».

Ich ging zur Kuh, um mir den Mist geben zu lassen: «Nicht, bevor du mir das Gras bringst».

Ich ging zur Wiese, um mir das Gras geben zu lassen: «Nicht, bevor du mir den Dünger bringst».

Ich ging zum Schwein, um mir den Dünger geben zu lassen: «Nicht, bevor du mir die Eicheln bringst».

Ich ging zur Eiche, um mir die Eicheln geben zu lassen: «Nicht, bevor du mir die Steine bringst».

Ich ging zum Fluss, und er gab mir die Steine.

Ich brachte die Steine zur Eiche und sie gab mir die Eicheln; ich gab die Eicheln dem Schwein und es gab mir den Dünger; ich brachte den Dünger zur Wiese und sie gab mir das Gras; ich brachte das Gras der Kuh und sie gab mir den Mist; ich brachte den Mist dem Feld und es gab mir das Korn; ich brachte das Korn zur Mühle und sie gab mir das Mehl; ich brachte das Mehl zum Ofen und er gab mir das Brot. Ich brachte das Brot der Alten und sie gab mir meine Mütze zurück.


 

Kindervers aus Gerra Verzasca.

Schermata 2019-03-26 alle 16.50.21.png

Sage aus Brione Verzasca
Virgilio Chiesa, L’oro in un laghetto della Verzasca. In: AA.VV., Il Meraviglioso. Leggende, fiabe e favole ticinesi, vol.1, Dadò ed., Locarno, 1990. Text an Sagenweg angepasst. Irene Briner (Stimme), Andrea Pedrazzini (Aufnahme)

 

Schritt 4

Das Gold in einem kleinen See des Verzascatals

Eines Tages kamen ein König und eine Königin aus dem Orient nach Locarno. Sie waren einer Verschwörung in ihrem Palast entkommen und nach mehreren Abenteuern fanden sie Frieden am Ufer des Langensees. Die beiden Herrscher liebten es, die Orte in der Umgebung von Locarno zu erkunden, und eines Tages gelangten sie ins Verzascatal. Sie stiegen bis nach Brione hinauf und folgten dann einem Weg, der sie zum kleinen See von Starlaresc führte. Dort trafen sie die Hirten, die in den Sommermonaten auf der Alp lebten.

Die beiden Herrscher waren so beeindruckt von der Einfachheit des Lebens auf der Alp und von der Schönheit des Ortes, dass sie beschlossen, dort zu bleiben, mit den Älplern zu leben und ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen.

Eines Tages starb der König. Die Hirten bauten am Seeufer einen hölzernen Altar. Darauf legten sie den toten König.

Am nächsten Tag wollten sie in beerdigen. Aber im Morgengrauen öffnete sich der Himmel und vier Engel schwebten mit einem goldenen Sarg herunter. Plötzlich teilte sich das Wasser des Sees. Die Engel betteten den König in den Sarg und legten diesen auf den Grund des Sees. Dann schloss sich das Wasser wieder, und die Engel kehrten in den Himmel zurück.

Die Königin fühlte sich beim Anblick dieses Wunders in ihrem Schmerz getröstet und beschloss, bei den Hirten zu bleiben. Die Zeit verging und sie starb ebenfalls. Die Älpler legten den Leichnam wieder ans Seeufer, und am nächsten Tag wiederholte sich das Wunder, genau wie beim König. Auch der Körper der Königin wurde in einem goldenen Sarg auf den Grund des Sees gelegt.

Seitdem leuchtet der kleine See von Starlaresc in den Sommertagen in einem wunderschönen goldenen Licht.

Schermata 2019-03-26 alle 16.50.21.png

Die Orte der Legende “Das Gold in einem kleinen See des Verzascatals”

ORT: Brione Verzasca, Starlaresc

Weg zur Berghütte Starlaresc:
www.sev-verzasca.ch/starlaresc

 
 

Schritt 4

Hanfbecken
(püzz dal cánof)

 
  1. Beginn des Sagenwegs
  2. Die Crusc von Mergoscia
  3. Case Nuove (Cà Nòv)
  4. Hanfbecken (püzz dal cánof)
  5. Aufforstung (piantagiómm)
  6. Beobachten und horchen
  7. Kappelle del Predéll
  8. Prato maggiore (Permaióo)
 

Steigt den Hang hoch und ihr findet sowohl die Hanfbecken, die von einer der zahlreichen lokalen Produktionsarten zeugen, wie auch die Brotöfen oder die Mühlen für das Mehl.

Autarkie

Vor langer Zeit basierte die Subsistenzwirtschaft der Bewohner vom Verzascatal fast ausschließlich auf Autarkie, also die Fähigkeit, die natürlichen Ressourcen bestmöglich zu nutzen und sie an Ort nach den eigenen Bedürfnissen umzuwandeln. Nur jene Güter, die es im Tal nicht gab, wie Salz, Medikamente oder Werkzeug, wurden am Markt in Locarno gekauft. Mit der widerstandsfähigen Hanffaser oder mit Schafwolle stellten die Frauen im Tal Kleider, Stoffe und Seile her.

Womit fängt es an?

Im Frühling wurde der Hanf gesät und im Herbst geerntet. Dann folgte während rund zwanzig Tagen die Wasserröste, darauf die Trocknung auf dem Boden und schließlich die Aufbewahrung in Büscheln an geschützten Orten. Wenn der Hanf im Winter schön trocken war, wurden Schäben und Röhrchen fürs Einfeuern entfernt. Die weiteren Verarbeitungsschritte vor dem Weben waren Brechen, Hecheln und Spinnen.

Hanfbecken gab es verteilt auf dem ganzen Territorium. Auf diesem Pfad werdet ihr noch eins in der Nähe der nächsten Picknickstelle finden.

 
 
hero 18.02.11.jpg